Schachprogramme und Schachspieler.
Es gibt viele offene Fragen in der Beziehung von Schachspielern zu Schachprogrammen, etwa wie man sie am besten nutzt oder wie man die Computerzüge versteht. Es wird heute heftig darüber diskutiert, dass Schachprogramme immer mehr Einfluss gewinnen und sogar helfen können, Weltmeister zu werden.
Hat die Schachwelt ein Problem durch Schachprogramme, die die Stärke eines Weltmeisters besitzen oder diesen gar schlagen können?
Versuchen wir einmal darüber nachdenken, ob es möglich wäre, mit Hilfe von Fritz, Rybka oder Shredder und Co. den Weltmeister Kramnik in einem offenen Wettbewerb zu schlagen.
Eine Idee wäre, den PC in den Spielsaal zu schmuggeln. Das ist aber äußerst schwierig bis unmöglich. Weil es hier schärfste Kontrollen gibt. Eine andere Idee wäre, einen Freund zu beauftragen, die Züge vom PC irgendwie zu übermitteln.
Warum nicht? Es ist durchaus möglich, zumindest nicht ausgeschlossen. Nehmen wir mal an, die vorliegende Stellung wird auf dem Wandschirm in „Realtime“ angezeigt und wird von dem „Vertrauten“ gleich weiter an den PC geleitet. Dieser läuft schnell und zeigt alle möglichen Züge. Man muss nur auf die Ergebnisse, also auf den besten Zug warten. So sollte es doch funktionieren können. Oder?
Tatsächlich aber funktioniert es nicht!
Man bekommt gleich das Problem zu spüren, das seit sehr langem vielen Schachfreunden gut bekannt ist. Das Programm zeigt mehrere Züge und bewertet diese fast gleich. Was ist zu tun? Viel Zeit gibt es auch nicht. Das Problem wird immer größer, es handelt sich um eine hochwertige Großmeisterpartie. Alle Großmeisterpartien haben eines gemeinsam, man spielt sehr lange in fast ausgeglichene Stellungen. Was also hat das Schachprogramm hier verloren?
Ich denke, Spekulationen, sich unerlaubte technische Hilfe beim Spiel zu verschaffen, haben keinen Boden. Wir müssen aufhören, einander zu verdächtigen. Damit wird lediglich ein spekulatives Element ins Spiel gebracht, das einfach und tatsächlich gegen jeden gerichtet werden kann. Solche Verdächtigungen sind gleichzeitig schwer zu widerlegen und beschädigen den Ruf eines Spielers und der gesamten Schachwelt. Jüngstes Beispiel: Die Diskussionen darüber, ob Topalovs Manager Danailov im Weltmeisterschaftskampf gegen Kramnik die Rolle eines solchen Vermittlers spielte.
Es konnte durchaus eine Verbindung zwischen beiden (Topalov und Danailov) gegeben haben, ich bezweifle jedoch ausdrücklich, dass es sich dabei um die Schachzüge handelte. Vielleicht eine spirituelle. Warum nicht? Wer könnte etwas dagegen haben? Eine solche Verbindung ist sogar wünschenswert und stärkt die Kräfte des Spielers. Es ist immer gut zu wissen, dass jemand "hinter" einem und zu einem steht.
Mein Fazit: Behauptungen oder Verdächtigungen, Spitzensportler würden sich Computerzüge während ihrer laufenden Partie übermitteln lassen, sind absurd.
Ich hatte in meiner Jugend erlebt, dass ein Trainer versuchte, mir Züge vorauszusagen. Ebenso versuchten es andere Trainer bei ihren Zöglingen. Ich kann mich auch heute noch deutlich daran erinnern: ich war spielerisch völlig von der Rolle, ich konnte sogar nicht mehr klar denken und mich auch nicht auf die Stellung konzentrieren. Ich denke, aus meiner Erfahrung, dass es unter keinen Umständen möglich ist, eine auf höchstem Niveau laufende Schachpartie konzentriert zu führen und zugleich von jemandem eine Hilfestellung zu erwarten.
Ich weiß es genau, wenn ein Meister überlegt, dann sieht er nichts anderes als die Stellung, er hört und sieht nichts um sich herum, und wenn doch, dann stört es. Er befindet sich in einer gedanklichen Tiefe, in der er keinerlei Signale von Außen verstehen kann. Ich würde empfehlen, es selber einmal ausprobieren, eine normale oder gar wichtige Turnierpartie zu spielen und dabei auf Zugempfehlungen von jemanden warten. Ich bin absolut sicher, dass das eigene Spiel darunter erheblich leidet und "Mogelversuche" mehr schaden als helfen.
Alexander Bangiev
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