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Denktechnik
Gerade die Bedeutung des Begriffs „Denktechnik“ bedarf einer genaueren Erläuterung. Aus den Schachbüchern ist kaum etwas darüber zu erfahren, wie ein Schachspieler denkt bzw. wie man diese dann lehrt.

Die Empfehlungen der Experten beschränken sich darauf, die Ziele der gedanklichen Anstrengung anzugeben: Die Stellung einzuschätzen, Kandidaten-Züge auszuwählen und schließlich unter den Kandidaten-Zügen den geeignetsten Zug festzulegen. Aber darüber, wie man denken soll, um diese Ziele zu erreichen, wird nichts gesagt.

Eine Schachpartie ist für jeden der beiden Spieler in jedem Augenblick durch zwei Elemente gekennzeichnet: Durch die vorliegende Stellung und den handelnden Spieler. Die Stellung ist objektiv auf dem Brett gegeben, die Betrachtungsweise des Spielers ist auf seine eigenen Ziele hin gerichtet und daher notgedrungen subjektiv. Das soll auch so sein: Jeder Spieler soll die vorliegende Position von seiner Seite aus beurteilen – und zwar selbständig, ohne irgendwelche fremde Hilfe – und dabei selbstverständlich auch den gegnerischen Spieler berücksichtigen, aber auch das immer nur aus seiner eigenen Sicht heraus, also im Hinblick auf die von ihm selbst angestrebten Nah- bzw. Fernziele.
Die Denktechnik oder die Technik des Schach-Denkens, das heißt der Denkprozess im Schach selbst, nämlich, wie der Spieler seine Züge überlegt, stellt die Verbindung zwischen zwei Elementen des Schachspiels dar, zwischen dem Spieler und der Stellung.

Jeder Schachspieler überlegt Züge nach seiner eigenen Vorstellung, entwickelt seine persönliche Weise der Problemlösung und eignet sich somit seine eigene individuelle Denktechnik an.

Die meisten Schachspieler suchen erst die Züge und überlegen dann, welche Felderwirkung ihre gewählten Züge haben, d.h. sie denken gerade umgekehrt!

Gerade die Bedeutung dieses Begriffs „Denktechnik“ ist aber in Schachkreisen umstritten. Aus den Schachbüchern ist kaum etwas darüber zu erfahren, wie man denkt bzw. wie man selbiges lehrt. Die Empfehlungen der Experten beschränken sich darauf, die Ziele der gedanklichen Anstrengung anzugeben: Die Stellung einzuschätzen, Kandidaten-Züge auszuwählen und schließlich unter den Kandidaten-Zügen den geeignetsten Zug festzulegen. Aber darüber, wie man denken soll, um diese Ziele zu erreichen, wird nicht geredet.

Es lassen sich aber Kriterien finden, die allen erfolgreichen Denktechniken gemeinsam sind:

    * Die Stellung soll nach bestimmten Schemata beurteilt werden
    * Es soll stets das Prinzip „allgemein denken, konkret handeln“ beachtet werden
    * Es muss ein Stützpunkt gegeben sein.

Die Denktechnik ermöglicht es dem Spieler:

    a. Entscheidungen zu treffen, ohne Varianten berechnen zu müssen

    b. Züge rasch zu sehen

    c. Den Kern der jeweiligen Stellung zu erfassen

    d. Die in Betracht kommenden Züge zu finden und zu reduzieren

Zu a. „Entscheidungen“: Die Denktechnik soll es also dem Spieler ermöglichen, adäquate Entscheidungen in jeder Spielsituation zu treffen. Entscheidungen beruhen immer auf einer richtigen Einschätzung der Stellung und nicht auf der Berechnung von Varianten!

Zu b. „rasch“: Ein gut trainierter bzw. begabter Schachspieler verfügt über die Fähigkeit, die Stellung rasch zu überblicken und dabei ihre Besonderheiten zu bemerken. Dadurch ist er in der Lage, die Felder und die Steine in ihrem Zusammenhang zu sehen. Das heißt, ein Spieler mit gut trainierter Denktechnik sieht schon als ersten Zug den richtigen Zug. Ein Spieler mit weniger gut trainierter Denktechnik muss mehrere Züge überprüfen, um den am besten geeigneten zu finden.

Zu c. „Kern“: Wie gesagt, sollen Entscheidungen nicht durch die Berechnung von Varianten sondern durch die Einschätzung der gesamten Stellung erfolgen. Die Kunst, eine Stellung richtig einzuschätzen, liegt in der Fähigkeit, den Kern der Stellung zu verstehen. Um den Kern einer Stellung zu erfassen, sollen folgende Überlegungen angestellt werden:

Denkmethoden

Jeder Zug verteidigt oder greift bestimmte Felder an. Die Wichtigkeit eines Zuges hängt davon ab, ob die befragten Felder von strategischer Bedeutung sind oder nicht. Grundsätzlich stehen uns zwei Denkmethoden zur Verfügung:

Die „Zugwahl-Felderwahl-Denkmethode“ ( im Folgenden abgekürzt „Zug-Felder-Methode“) und die „Felderwahl-Zugwahl-Denkmethode“ (im Folgenden abgekürzt „Felder-Zug-Methode“).

Bei der Erstgenannten, der Zug-Felder-Methode, werden verschiedene Züge in Betracht gezogen, auf ihre Wirkung hin überprüft, und dann entweder fallen gelassen oder weiter verfolgt. Sie ist weit verbreitet und erfordert die Berechnung von Varianten.

Bei der Zweitgenannten, der Felder-Zug-Methode, werden erst die strategisch wichtigen Felder in Betracht gezogen, und erst danach Züge gesucht, die geeignet sind, diese Felder zu ergreifen; diese Methode erfordert eine gründliche Einschätzung der Stellung.

Die beiden genannten Methoden helfen, zum Kern einer Stellung vorzudringen.

Zu d. „Finden und Reduzieren“: Der Unterschied zwischen den beiden Methoden liegt im Wesentlichen also in Folgendem:

Bei der Zug-Felder-Methode stehen in der Regel viele Züge zur Wahl, die alle auf Tauglichkeit untersucht werden müssen, der geistige Aufwand ist deshalb sehr groß.

Die Auffindung des richtigen Zuges hängt davon ab, ob er erstens überhaupt in Betracht kommt und ob er zweitens rasch gefunden wird. Dafür müssen mehrere Varianten berechnet werden.

Bei der Felder-Zug-Methode brauchen nur wenige Züge untersucht zu werden, weil ja die Felder, die ergriffen oder verteidigt werden sollen, schon vorher festgestellt wurden. Die Zugauswahl ist also wesentlich reduziert. Die Auffindung des richtigen Zuges hängt hier davon ab, ob erstens die strategisch richtigen Felder gefunden wurden und ob zweitens diese Felder durch den entsprechenden Zug kontrolliert werden können. Hierfür sind keine Berechnungen von Varianten erforderlich.

Fazit

Bei jeder Beschäftigung mit Schach sollte man sich bemühen, immer wieder dieselbe Denkmethode zu verwenden.

Alexander Bangiev

 
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