Anderssen, Adolf - Kieseritzky, Lionel
London 1851


18.Ld6! ... nach 18. Bd6 befinden sich beide Spieler in ihrem Element und in ihrer Zeit. Sie sind also mit heutigen Meistern vom Wissen her ebenbürtig.
18...Dxa1+! Für das romantische Schach damals ist natürlich ein Schlagen auf a1 mit Schach offensichtlich und daher konnte ich nicht glauben das beide Spieler diese Variante übersehen haben. Hermann von Gottschall hat 18. ...Qxa1+ nicht im Kommentar erwähnt, was mich verwunderte und so suchte ich nach einer Antwort und begann nach anderen Zügen als 20. Rc1 oder 20. Kd2, die meines Erachtens völlig "unromantisch" wirken, zu suchen. Qxa1 nebst Qb2 ist eine Zugfolge die ich nachvollziehen kann. Ich habe Schulkindern die Stellung gezeigt und sie sollten mir bessere Züge zeigen und erklären. Nachdem sie sahen das Bxg1 forciert verliert sagten sie: "Na dann nehmen wir eben den Turm auf a1!
[18...Lxg1? R. Reti kritisiert sehr scharf 18. ... Bxg1 und bereits Wilhelm Steinitz sieht in 18. ... Qxa1+ 19. Ke2 Qb2 die folgerichtige Fortsetzung, die allein den Sieg des Anziehenden in Frage stellt. Später beweist dies der gewissenhafte Deutsche Robert Hübner in seinem umfangreichen Aufsatz. Keiner der Meister in den vergangenen 150 Jahren hat die Position aus romantischer Sicht beleuchtet und "einfach" analysiert.
19.e5!+ - /\Ng7 Dxa1+ 20.Ke2 Schwarz gab auf. 1-0 Anderssen,Adolf-Kieseritzky,Lionel/London 1851
(20.Ke2+ - La6 (20...Lb7 21.Sxg7+ Kd8 22.Dxf7 Sh6 23.Se6+) (20...Sa6 21.Sxg7+ Kd8 22.Df6+ Sxf6 23.Le7#) 21.Sc7+ Kd8 22.Sxa6 /\Bc7, /\Qa8
22...Dxa2 (22...Dc3 23.Lc7+) (22...Lb6 23.Dxa8) 23.Lc7+ Ke8 24.Sb4+ - /\Nd6, /\Na2, /\Qa8)
]
19.Ke2 Db2! Schwarz will damit Bc5 verhindert (/ \Qc2). So ist nach der empfohlenen Variante 18. Qxa1 19. Ke2 Qb2 scheinbar keinem aufgefallen, dass Schwarz zum Sieg neben der Dame eine zweite Figur an den offenen weißen König heranführen muss. Genau diese Zeit fehlt aber dem Nachziehenden wenn er nun mit 20. Bxc5 seinen Läufer verliert, der zudem auch wichtige Verteidigungsaufgaben in der Diagonale a3-f8 besitzt.
[19...Lxg1 20.e5]
20.Lxc5 Und diese Überlegungen fern einer intensiven schachlichen Betätigung sollte Anderssen und Kieseritzky übersehen? Nein. Also fand ich Bxc5. Wenn ich dieses Wissen bei den beiden Spielern voraussetze, dann weiß ich natürlich, wie ich die Programme auf die richtige Spur bringe. Die schwarzen Figuren harmonieren nicht mehr wenn der Läufer verschwunden ist und vielleicht hat deshalb Lionel K. ihn auch bestmöglich tauschen wollen. Das manch taktische Glanzlichter auch von guten Spielern übersehen werden bestätigte mich, dass für Kieseritzky das Damenopfer auf f6 vielleicht eine Überraschung war.
[20.Kd2 Die Alternative ist 20.Kd2. Siehe]
20...Dxc2+ 21.Kf1 Dxc5 Wenn dem Nachziehenden dank seines materiellen Vorteils ein Remis zu wenig ist, dann kommt es zu dieser Ausgangsstellung. Und genau hier fragt sich der Laie doch: Wie will Schwarz gewinnen? Nur mit der Dame gegen den freien weißen König ist maximal Dauerschach möglich, also muß er eine zweite Figur mobilisieren. Diese Zeit kann der Anziehende aber nutzen.
22.Df4! /\Nd6; /\Qe5; /\Nc7; Übrigens finde ich nicht unbedingt g5 oder Nd6 in dieser Variante zauberhaft, sondern das eigentlich elementare 22. Qf4. In der Stellung nach Qf4 dürfte der Schwarzspieler nach meiner Ansicht immer noch psychisch unter Druck stehen und sollte wohl sehr genau spielen um das Remis zu halten. Bei dem Materialvorsprung eine außergewöhnliche Begebenheit - selbst für Meister von Morgen und Übermorgen.
22...f6 So fand ich eben auch ihren "modern-angepaßten" Zug 22. ... f6 ohne beurteilen zu können, ob er denn auch wirklich der Beste ist.
[22...Sc6 23.Sd6+]
[22...Kd8 23.Dg5+
(23.h6 Sxh6 24.Sxh6 Tf8)
23...f6 24.Dxg7]
[22...d6 23.Sxd6+]
[22...Kf8 23.h6! /\Nd6 g6 24.Sd6]
23.g5!! Weiß hat schon als minimum den Ausgleich durch das ewige Schach erreicht.
23...Kd8
[23...d6 24.Sxd6+ Kd8
(24...Kd7 25.gxf6 g6 26.Sf7)
(24...Kf8 25.gxf6 Lh3+ 26.Ke2 Sxf6 27.Sxf6)
25.Sf7+ Ke8 26.Sd6+ Kd8]
[23...Se7 24.Sd6+ Kd8 25.Sf7+
(25.Sxe7 Dc3)
25...Ke8]
24.h6!
[24.Sd6 Dd4
(24...Sc6 25.h6 gxh6 26.gxf6)]
[24.Sh6! eine sehr wichtige Alternative in einer praktischen Partie und romantisch genug
24...Sxh6 25.gxh6 La6
(25...d6 26.hxg7 Lh3+ 27.Ke2)
26.hxg7 Tg8 27.Sxf6]
24...Sxh6
[24...gxh6 25.Sxh6 d6 26.Sf7+ Ke8 27.Sxd6+ Kf8 28.Sxf6 Lh3+ 29.Ke2]
[24...g6 25.Sd6 Dd4 26.gxf6 Dxd3+ 27.Kg2 De2+ 28.Kg3! Dd3+ 29.Kh4+ -]
[24...Se7 25.Sfxe7 Te8 26.hxg7]
25.gxh6!
[25.gxf6 g5!]
[25.Sxh6 Tf8!]
[25.Sxg7 Tf8!]
25...g6Einziger Zug
[25...g5 26.Txg5 Sc6
(26...fxg5 27.Dxg5+)
(26...d6 27.Sxd6)
27.Sd6 Dd4 28.Tg7+ -]
[25...gxh6 26.Sxh6+ -]
[25...d6 26.hxg7 Tg8 27.Sxf6]
26.Sd6 Tf8
[26...Dd4 27.Sf7+ Ke8 28.Sxh8 Lb7
(28...Dxd3+ 29.Kg2 De2+ 30.Kg3 Dd3+ 31.Kh4 g5+ 32.Txg5 fxg5+ 33.Kxg5)
29.Sxf6+ Ke7 30.Sxg6+ hxg6 31.Txg6 Dxd3+ 32.Kg2 Dc2+ 33.Kh3+ -]
27.Txg6 hxg6 28.h7 Dd4 29.Sf7+
[29.Dh6 Dxd3+ 30.Kf2 Dd4+ 31.Kg2 Db2+]
29...Ke8 30.Sxf6+
[30.Sd6+ Kd8Unklare Stellung 31.Sf7+ Ke8 32.Dd6 Dxd3+ 33.Kf2 Dd2+=]
30...Kxf7
[30...Ke7 31.Sg8+ Ke8 32.Sf6+ Ke7]
31.Sxd7+ Ke8 32.Dxf8+ Kxd7 33.h8=D Dxh8 34.Dxh8 Sc6 Die Variante, vorgeschlagen von Richard Reti und scheinbar erschöpfend bewiesen von Robert Hübner, hat also Lücken solange man für Schwarz keine Verstärkung nach 20. Bxc5 in dieser Stellung findet. Natürlich wäre ich ohne Schachprogramm nie auf die Idee gekommen erschöpfend Bxc5 zu analysieren, wenn schon Reti, Hübner etc. diese Überlegungen ad absurdum führten. Das ich heute sie anmailte, lag daran, daß sie in ihrem Artikel Bxc5 erwähnt haben und ich würde gern bei der Entschlüsselung der letzten Geheimnisse der Unsterblichen noch leben. Sollte sich der Zug 20. Bxc5 und die nachfolgenden Varianten als korrekt erweisen und tatsächlich von mir erstmals veröffentlicht sein, bitte ich darum, daß er dem Andenken an Kieseritzky gewidmet wird, der ihn, wie auch Anderssen, gesehen haben muß, als er mit 18.... Bxg1 die uns bekannte Alternative wählte. Christian Bartsch

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